Posts mit dem Label José Canalejas werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label José Canalejas werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 19. Januar 2015

Blutiges Blei

Il prezzo del potere (Italien/Spanien, 1969)

Der Amerikanische Bürgerkrieg ist beendet, doch der Konflikt zwischen Norden und Süden schwelt weiter. Besonders in Texas gibt es konspirative Strömungen, die weiter am Sezessionsgedanken festhalten und den liberalen Kurs der Regierung inbrünstig ablehnen. Präsident Garfield will die Wogen persönlich glätten und macht sich auf den Weg nach Dallas, doch schon während der Anreise entgeht er nur knapp einem Attentat. Bill Willer, dessen Vater den Verschwörern ins Gehege gekommen war und dafür mit dem Leben bezahlen musste, kann den Anschlag in letzter Sekunde verhindern. Schließlich in der Stadt angekommen schwebt Garfield noch immer höchster Gefahr, denn nicht nur Personen aus der reichen Oberschicht, auch der Sheriff und sogar der Vizepräsident gehören zu den Verrätern.
Zwei Jahre nach der gemeinsamen Zusammenarbeit für Der Tod ritt dienstags griff Tonino Valerii zum zweiten Mal auf Giuliano Gemma als Hauptdarsteller zurück und füllte mit einem verstrickten Polit-Thriller den Rahmen eines Italowesterns. Hierfür verwob er historische Realität und Genre-Fiktion miteinander. In seinem Präsidenten vereinen sich Attribute des 20. US-Präsident James Abraham Garfield, der tatsächlich den Folgen eines Attentats erlag, allerdings erst knapp zwei Jahrzehnte nach dem Sezessionskrieg an die Macht gelangte, und John F. Kennedy, der wie Garfield im Film als liberaler Politiker in einem offenen Wagen in Dallas erschossen wurde. Valerii greift ebenfalls Motive der damals noch recht aktuellen Verschwörungstheorien auf, die sich um Kennedys Ermordung rankten, wie etwa die Theorie vom zweiten Schützen.
Für einen Spaghetti-Western mutet sich Blutiges Blei mit einem zunächst undurchsichtigen Mordkomplott und subtilen Kommentaren zu den Themen Pressefreiheit und Rassismus eine durchaus komplexe Handlung zu, die vor allem in der zweiten Hälfte auch einige Längen verursacht. Formell bleibt Valerii dem Genre jedoch absolut treu und erfüllt mit bekannten spanischen Kulissen wie dem Flagstone-Set, welches für Spiel mir das Lied vom Tod errichtet worden war, einem wie immer äußerst agilen Giuliano Gemma, dem spannungsreichen Score von Django-Komponist Luis Bacalov und optischen Standards wie Reißzooms alle Erwartungen. Unverkennbar ist dabei der Einfluss Sergio Leones, dem er bei den Dollar-Filmen assistierte. Valerii bringt aber auch eigene Ideen ein, wie das erinnerungswürdige Duell im Dunkeln, bei dem sich die Kontrahenten lediglich an der Zigarrenglut des anderen orientieren. Dank solcher Szenen gerät Blutiges Blei nicht nur zu einem außergewöhnlichen Western, der seine politisch motivierte Geschichte einmal nicht vor den Hintergrund der mexikanischen Revolution stellt, sondern darüber hinaus auch zu einem besonders starken Genrevertreter.

Alternatives aus der Titelschmiede: La muerte de un presidente
Locations: Tabernas, Western Leone, La Calahorra
Location-Vergleich: Für eine Handvoll Drehorte

Samstag, 10. Januar 2015

Ohne Dollar keinen Sarg

El precio de un hombre (Italien/Spanien, 1966)

Der Name Luke Chilson treibt allen Desperados nördlich des Rio Grande den Angstschweiß auf die Stirn. Für den Kopfgeldjäger, der dafür berüchtigt ist, sich keine Prämie entgehen zu lassen, sind die 3000 Dollar ein gefundenes Fressen, die auf die Ergreifung von José Gómez ausgesetzt sind. Und so nistet er sich in dem abgelegenen Wüstenkaff New Charcos ein, fest überzeugt davon, dass der Mexikaner früher oder später erscheinen wird, um seine Freundin Eden zu sehen. Die wenigen Bewohner beäugen Chilson derweil mit einiger Feindseligkeit. Sie kennen José noch als lieben, kleinen Jungen und stehen auf seiner Seite, während der Kopfgeldjäger, der nach dem Judaslohn trachtet, für sie der wahre Schurke ist. Und so hat Chilson keine Chance, als der Gesuchte schließlich auftaucht. Zwar kann er Gomez zunächst in seine Gewalt bringen, doch verlassen wird er New Charcos mit seinem Fang nicht. Stattdessen findet er sich gefesselt und in der Gewalt des Banditen und seiner Männer wieder. Als diese ihr wahres Gesicht zeigen und auch die Dörfler erkennen, wem sie ihr Vertrauen geschenkt haben, ist es schließlich zu spät. Gómez Leute morden und plündern, doch Eden kann Chilson immerhin zur Flucht verhelfen. Seine Rückkehr lässt jedoch nicht lange auf sich warten und gerät zum blutigen Rachfeldzug, bis es zum letzten Duell zwischen dem Kopfgeldjäger und seiner Beute kommt.
Ohne Dollar keinen Sarg war 1966 nicht nur ein erstklassiger Italowestern, sondern auch der Startschuss zu einer nicht minder beeindruckenden Westernkarriere. Tomás Milián drehte im selben Jahr zwar auch Sergio Sollimas Der Gehetzte der Sierra Madre, doch der Part des José Gómez war für ihn die erste Rolle in dem Genre, zu dessen besten und wichtigsten Darstellern er heute gezählt werden muss. Auch wenn seine Leistung hier womöglich noch nicht ganz an das Niveau späterer Filme heranreicht, ist vom ersten Augenblick an spürbar, welch eine Präsenz und Ausdrucksstärke Milián an den Tag legt. Den eigentlichen Hauptdarsteller Richard Wyler jedenfalls spielt er mit Leichtigkeit an die Wand. Dem Film kann das nur guttun, verlagert sich dank des markant-charismatischen Schurken nicht nur bei den Dörflern, sondern auch beim Publikum die Gunst zwischen Gut und Böse. Regisseur Eugenio Martín spielt dabei geschickt mit Miliáns Ausstrahlung und bietet ihn durch seine Inszenierung zunächst gar als Identifikationsfigur an, nur um sein Wesen im späteren Verlauf umso abscheulicher wirken zu lassen. Da lässt er Gómez in unsäglicher Arroganz über die Meute gebieten, die ihre Unterstützer gnadenlos malträtiert und ausplündert. Die letzten Sympathien indes hat er zu diesem Zeitpunkt längst verspielt. Wie nur wenige Produktionen vor ihm zelebriert Ohne Dollar keinen Sarg die genretypische Gewalt streckenweise bis zur Ekstase. Chilsons Martyrium wird genussvoll in die Länge gezogen und die finale Sterbeszene gehört bis heute zu den denkwürdigsten und intensivsten, die das Genre je hervorgebracht hat.
Kameramann Enzo Barboni, der später neben Filmen wie Django –Die Nacht der langen Messer vor allem durch die Klamauk-Western mit Bud Spencer und Terence Hill bekannt wurde, fängt in dieser frühen Phase des Italowesterns nicht nur die Gewalt, sondern auch die prachtvollen Landschaften rund um das andalusische Tabernas in eindrucksvollen Bildern ein, stets untermalt von Stelvio Ciprianis eindringlichem Score.


Alternatives aus der Titelschmiede: ...der keine Gnade kennt, The Bounty Killer, Der Kopfgeldjäger, Särge ohne Leichen, The Price of a man, The ugly ones
Locations: Las Salinillas

Dienstag, 6. Januar 2015

Von Django - mit den besten Empfehlungen

Uno dopo l'altro (Italien/Spanien, 1968)

Jefferson ist ein skrupelloser Machtmensch und erfolgreicher Bankdirektor. Eines Tages holt ihn ein Schatten aus seiner Vergangenheit ein: Espartero. Einst haben die beiden gemeinsam einen Bankraub ausbaldowert, aber Jefferson hat den Mexikaner hintergangen und ist mit der ganzen Beute verschwunden. Jetzt will Espartero Wiedergutmachung. Jefferson soll ihm dabei helfen, seine eigene Bank auszurauben. Andernfalls händigt der Ganove den Plan für den damaligen Clou dem Sheriff aus. Und der trägt Jeffersons Handschrift.
Doch dieser will den Mexikaner einmal mehr aufs Kreuz legen. Er lässt die Bank von eigenen, in Ponchos gehüllte Männern überfallen. Leider ergreift der Bankangestellte Bill Ross die Initiative und hält die Desperados mit einem Gewehr in Schach. Daraufhin tötet ihn Jefferson. Miguel, der Neffe Esparteros, der als Bankdiener eingeschleust worden war, erkennt den Betrug und nimmt – allerdings mit einer Verletzung, die ihn sein Gedächtnis und sein Sprachvermögen kostet – Reißaus.
Wenig später reitet Django in die Stadt und stellt Fragen zum Tod von Bill Ross. Schnell macht er sich die ersten Feinde im Ort, weckt aber auch Jeffersons Interesse, der ihn auf Espartero ansetzen will. Doch Django verfolgt ganz eigene Ziele.
Von Django – mit den besten Empfehlungen gehört zu jenen ungezählten Vertretern des Genres, die erst beim Export in die Lichtspielhäuser dieser Welt zu Django-Ehren kamen. Im italienischen Original trägt Richard Harrisons Hauptrolle den Namen Stan. Doch wie auch immer sie heißen mögen – ein Brillenträger als Revolverheld ist in jedem Fall außergewöhnlich fürs Genre. Daraus wird auch gleich ein Running Gag gemacht, denn als Ersatz für seine im Verlauf des Films ein ums andere Mal beschädigte Sehhilfe hat Django ein ganzes Arsenal an Brillen in der Manteltasche.
Damit hat es sich aber dann auch schon weitestgehend mit dem Humor, denn außer in ein paar Szenen mit dem Totengräber, den Django seinen nächsten Opfern Särge mit den besten Empfehlungen bringen lässt, haben wir es hier mit einem toternsten und knallharte Italowestern zu tun. Das stellt Django schon früh unter Beweis. Als er für Jefferson den ungebetenen Zeugen Miguel erledigen soll, paktiert er stattdessen mit Espartero, der ihm einen seiner Desperados ans Messer liefert, mit dem er ohnehin noch eine Rechnung offen hatte. Um den Betrug zu vertuschen, verstümmelt Django das Gesicht des Toten in der Glut eines Lagerfeuers bis zur Unkenntlichkeit. Ähnlich erbarmungslos legt Django entsprechend des Originaltitels „einen nach dem anderen“ um. Jeffersons Männer werden erschossen, aufgeknüpft, erstochen, kopfüber aufgehangen und mit Dynamit in die Luft gejagt, dass es einem Slasher-Film zur Ehre gereicht hätte. Doch auch der Titelheld muss einiges einstecken, wird übel zusammengeschlagen, angeschossen, abgestochen und zeigt zwischendurch, wo Rambo gelernt hat, sich selbst eine Kugel aus dem Körper zu operieren.
Neben der gesunden Härte liefert Nick Nostros bekanntester Genrebeitrag durchaus auch alle anderen Zutaten, die das Publikum von einem Spaghetti-Western erwartet. Ein starker, wenn auch im Text des Hauptthemas etwas eigenwilliger Soundtrack untermalt tolle Kulissen, wobei auffallend viele Innenaufnahmen die Kosten gering gehalten haben dürften. Einige kernige Sprüche und Bilder wie sechs von Maultieren zu den nächsten Opfern getragene Särge schaffen die richtige Stimmung und die Nebenrollen sind gut, wenn auch mit weniger bekannten Gesichtern, besetzt. Bleibenden Eindruck hinterlassen in erster Linie José Manuel Martín als Espartero sowie der sonst auf fiese Mexikaner abonnierte José Bódalo, der hier mit Hingabe den Gringo Jefferson gibt.
Von Django – mit den besten Empfehlungen ist ein schonungsloser Italowestern aus der zweiten Reihe, der Fans des Genres wunschlos glücklich zurücklassen sollte. Was bei seiner Erstauswertung möglicherweise nicht der Fall gewesen sein mag, denn in der deutschen Kinofassung fehlte das komplette Ende, welches dem Film nochmal einen extrem zynischen Stempel aufdrückt.

Alternatives aus der Titelschmiede: Neun Särge für McGregor, Adios Caballero, Day after tomorrow, One after another